St. Peter und Paul-Kirche Rössing

Losung Freitag, 14. August 2020

Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

Psalm 73,25

Kirchengemeinde Rössing - aktuelle Leseandacht siehe unten

Wohnzimmerandacht zum 5. Sonntag nach Trinitatis am 12. Juli 2020

Wer mag, zünde sich eine Kerze an als Zeichen:

Jesus Christus, das Licht der Welt, ist bei uns – heute und alle Tage.

 

Wir wenden uns an Gott und beten:

Gott, von Anfang an hast du Gemeinschaft mit uns gesucht. Immer wieder siehst du uns an, sprichst du zu uns, forderst uns auf, unseren Weg mit dir zu gehen. Wir bitten dich: Schenke uns Vertrauen an der richtigen Stelle. Hilf uns, deinen Ruf aus den vielen Rufen herauszuhören und deine Ermutigung anzunehmen. Amen!

 

Lied: Geh unter der Gnade (Text und Musik: Manfred Siebald)

Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen; geh in seinem Frieden, was auch immer du tust. Geh unter der Gnade, hör auf Gottes Worte; bleib in seiner Nähe, ob du wachst oder ruhst.

  1. Alte Stunden, alte Tage lässt du zögernd nur zurück. Wohl vertraut, wie alte Kleider sind sie dir durch Leid und Glück. (Refrain)

  2. Neue Stunden, neue Tage, zögernd nur steigst du hinein. Wird die neue Zeit dir passen? Ist sie dir zu groß, zu klein? (Refrain)

  3. Gute Wünsche, gute Worte wollen dir Begleiter sein. Doch die besten Wünsche münden alle in den einen ein: (Refrain)

 

Gedanken zum Sonntag

Eines Tages kommt Jesus zu Simon Petrus und seinen Freunden an den See Genezareth. Erfolglos waren sie die ganze Nacht auf dem See gewesen. Jetzt sind sie dabei, ihre Netze zu waschen und auszubessern. Ein Netz muss gepflegt werden. Sonst wird es mit der Zeit brüchig, kann die schwere Last nicht tragen und reißt womöglich im entscheidenden Moment entzwei.

Das Waschen und Flicken gehört für einen Fischer zur täglichen Arbeit hinzu. Simon geht sie leicht von der Hand. Und so kann er nebenher auf Jesus achten, der zu den Leuten spricht. Er hört die Worte, mit denen Jesus das Reich Gottes verkündet, das nahe herbeigekommen ist. Bald schon legt Simon seine Netze weg und tritt in die Nähe dieses Mannes, dessen Worte die Kraft haben, ihn zu bewegen. Da spricht Jesus ihn direkt an: „Simon, fahre mit deinen Freuden hinaus, dorthin, wo es am tiefsten ist. Und werft das Netz aus!“

Simon schaut auf. Er sieht Jesus vor sich. Schon dessen Kleidung verrät, dass Jesus noch nie gefischt hat. Und auch seine Worte deuten darauf hin „Werft das Netz aus!“ So ein Unsinn, mag er denken. Mitten am Tag? Wenn die Fische längst nicht mehr unter der Wasseroberfläche schwimmen? Das weiß doch eigentlich jeder am See, dass man Fische nur in den frühen Morgenstunden fangen kann.

Werft das Netz aus!“ Simon gehen diese Worte nach, er muss sich ihnen stellen: „Meister“, antwortet er, „wir haben die ganze Nacht das Netz ausgeworfen und nichts gefangen.“ Simons ganze Enttäuschung über die vergeblichen Mühen der Nacht werde in seinen Worten zu spüren sein. Nichts haben sie gefangen, obwohl sie ihr Handwerk verstehen. Warum sollte am helllichten Tag funktionieren, wenn es denn zur optimalen Zeit nicht geklappt hat.

Wir kennen solche Reaktionen. Auch uns fallen sofort Argumente ein, unser Netz nicht wieder auszuwerfen. Es ist die falsche Lebenszeit, die Aussichten auf Erfolg sind nach menschlichem Ermessen gering, die Kraft ist erschöpft. Wir stehen in der Gefahr, den Aufruf Jesu zu überhören. Oder wir trauen es uns nicht zu. Hinauszufahren und das Netz auszuwerfen braucht ja Mut und Kraft, gerade dann, wenn es nicht zur üblichen Zeit geschieht. Wir brauchen andere Menschen, die uns helfen, damit wir am Ende das Netz einholen können.

Wir haben die ganze Nacht nichts gefangen“, sagt Simon. “Aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen“ – wir können ahnen, welchen inneren Kampf Simon gekämpft haben mag. Bis er so weit ist, sich auf Jesu Worte einzulassen und noch einmal hinauszufahren auf den See, noch einmal das Netz auszuwerfen, noch einmal die Hoffnung aufkeimen zu lassen, noch einmal die Angst vor der Enttäuschung zu unterdrücken.

Und so fährt Simon hinaus mit seinen Freunden. Er wagt das Unvernünftige, er wirft sein Netz aus - mitten am Tag. Er tut es auf das Wort Jesu hin. Und er spürt einen kleinen Funken Hoffnung, dass sein Tun nicht umsonst sein wird. Auf Jesu Wort hin breitet Simon sein Netz aus, zieht es mit seinem Boot durch das Wasser. Und auf einmal ist das Netz voller Leben. Simon macht mitten am Tag einen Fang, wie er sonst noch keinen hatte. Unter der Last der vielen Fische droht das Netz zu reißen. Es ist nicht leicht, den Fang ans Ufer zu retten. Es gelingt schließlich mit Hilfe der Freunde.

Simon ahnt mit einem Mal, dass sich sein Leben ändern wird. In der Nähe dieses Mannes kann er nicht mehr sein altes Leben führen. Er kann nicht wie bisher weitermachen. Er bittet Jesus zu gehen. Und zugleich sehnt er sich nach Jesu Nähe. Er weiß: Das ist kein gewöhnlicher Mann. In diesem Mann ist Gott gegenwärtig. Und so sagt Jesus zu ihm: „Fürchte dich nicht, Simon. Du wirst in Zukunft andere Netze auswerfen. Netze, mit denen du die Menschen auffängst, wenn sie in die Tiefe zu fallen drohen. Du wirst Menschen auffangen, die den Halt verloren haben.

Simon weiß, dass er Mut braucht, sich auf Jesus einzulassen. Ihm nachzufolgen ist ein weit größeres Wagnis, als die Netze mitten am Tag auszuwerfen. Und er hat Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten. Am Ende aber kann er sich dem Ruf nicht entziehen. Er hört die Bitte Jesu, sein Netz von nun an an einem anderen Ort auszuwerfen. Nicht mehr Fische soll er fangen. Simon soll zum Menschenfischer werden. Zu einem Mann, der die Menschen zu Jesus, dem Christus führt. Simon soll das Netz auswerfen, um Menschen herauszufischen aus der Unfreiheit, der Unterdrückung, der inneren und äußeren Gefangenschaft.

Werft das Netz aus!“ Dieses Wort Jesu geht auch an uns. Es soll uns Mut machen, im übertragenen Sinne unser Netz auszuwerfen. Wie Simon dürfen wir uns auf das Neue einlassen. Wir sind aufgerufen, die Netze zu pflegen, in die wir eingebunden sind in der Familie, im Beruf, im Freundeskreis, aber auch darüber hinaus in unseren Gemeinden, in der Nachbarschaft. So können wir mitwirken an dem Netz, das wir auf Jesu Wort hin auswerfen dürfen. Wir bauen mit an einem sozialen Netz, gegen die Vereinzelung, gegen die Isolation.

Wir machen es in der Hoffnung, dass wir verbunden sind mit vielen Männern und Frauen zu einem großen Netz, in dem Menschen Geborgenheit finden, in dem sie aufgefangen werden, wenn sie zu fallen drohen, in dem sie den Glauben an gelingendes leben teilen können. Amen!

 

Fürbitte

Gott, du sprichst und handelst durch Menschen. Lass sie den Zweifelnden Vertrauen schenken, den Gescheiterten neue Perspektiven aufzeigen, den Kranken und Traurigen Hoffnung gebenden Suchenden, einen wachen Geist und Offenheit für Neues. Hilf uns, deinen Ruf zu hören und deine Ermutigung anzunehmen.

Was mich sonst noch bewegt lege ich in die Worte, die dein Sohn uns gegeben hat.

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!

 

Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen!

 

Wer eine Kerze angezündet hat, kann sie jetzt löschen. Sie leuchtet in Ihnen weiter.

 

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Wohnzimmerandacht zum 4. Sonntag nach Trinitatis 5. Juli 2020
von Vikar Johannes Hagenah

Wenn Sie mögen, zünden Sie sich eine Kerze an als Zeichen:

Jesus Christus, das Licht der Welt, ist bei uns – heute und alle Tage.

Auch wenn Sie nicht in die Kirche kommen können, sind wir alle im Glauben verbunden.

Wir wenden uns an Gott und beten:

Gott, es gibt so viel ungestillte Sehnsucht. Sehnsucht nach Anerkennung und nach Liebe.
Sehnsucht nach dir. Es gibt so viele unbeantwortete Fragen. Fragen nach dem Sinn des Lebens, Fragen nach unserer Zukunft, Fragen nach dir. Still du unsere Sehnsucht. Lass uns nicht ohne Antwort. Mach uns frei von allem, was uns von dir trennt. Amen

Lied: Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen

Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen,
gib mir den Mut zum ersten Schritt.
Lass mich auf deine Brücken trauen,
und wenn ich gehe, geh du mit.

Ich möchte gerne Brücken bauen,
wo alle tiefe Gräben sehn.
Ich möchte hinter Zäune schauen
und über hohe Mauern gehn.

Ich möchte gern dort Hände reichen,
wo jemand harte Fäuste ballt.
Ich suche unablässig Zeichen
des Friedens zwischen Jung und Alt.

Ich möchte nicht zum Mond gelangen,
jedoch zu meines Feindes Tür.
Ich möchte keinen Streit anfangen;
ob Friede wird, liegt auch an mir.

Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen,
gib mir den Mut zum ersten Schritt.
Laß mich auf deine Brücken trauen,
und wenn ich gehe, geh du mit.


 

Gedanken zum Sonntag

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist`s möglich, so viel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: ‚Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr. Vielmehr, wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“
(Römer 12, 17-21)

Rache ist süß“ besagt ein altes Sprichwort. Wahrscheinlich kennen wir alle Momente, wo wir das bestätigen könnten. „Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil“ – auch so ein vertrauter Satz, der die Notwendigkeit bekräftigt, gleiches mit gleichem zu vergelten. In den großen und kleinen Konflikten des Alltags liegt es manchmal nahe, einfach einmal kräftig draufzuhauen oder nachzutreten. Diese Reaktionen sind alltäglich und überall und irgendwie ganz selbstverständlich. Sie geschehen so schnell, so automatisch, als ob es gar keine andere mögliche Reaktion geben kann.

Paulus setzt dagegen ein anderes Bild: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Diese Worte haben das Potential, uns zu herauszufordern. Wir werden angehalten darüber nachzudenken, wie wir handeln. War dieser Spruch zu meinem Gegenüber jetzt gerade nötig? Musste ich noch einmal darauf herumreiten und den Finger in die Wunde legen? Doch wenn Paulus diese Worte schreibt, geht es ihm noch um mehr als um die Lösung kleiner zwischen-menschlicher Konflikte. Es geht ihm um die Frage, wie Christen in ihrem Glauben der Welt mit ihren manchmal dunklen Seiten gegenübertreten. Wie reagieren wir angesichts von Ungerechtigkeiten, Verletzungen oder Demütigungen?

Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes.

Ein hoher Anspruch. Über den eigenen Verletzungen und den Zorn zu stehen oder, wie Paulus sagt, „dem Zorn Gottes Raum zu geben“, ist oft leichter gesagt als getan. Wo bleibt mein Zorn, wenn ich dem Zorn Gottes Raum gebe? Was Paulus vorschlägt klingt passiv. Es klingt nach Nichtstun. Der Zorn gibt meinem Handeln eine Richtung und ein Ziel. Doch gleichzeitig spüre ich vielleicht auch, wie sehr mich dieser Zorn fesseln kann. Ich hänge daran fest, fixiere mich darauf. Das hemmt. Ich kann mein Leben nicht mehr frei gestalten, sondern mache mich und mein Verhalten davon abhängig. Vielleicht tut es gut, diesen inneren Krampf in mühsamer Arbeit zu lösen und Raum für etwas anderes zu schaffen. Wo ich Gottes Zorn Raum gebe, nehme ich ihn in die Verantwortung, dass nichts ungesehen bleibt – keine Ungerechtigkeit, keine Verletzung, keine Demütigung. Ihm, der diese Welt gut geschaffen und mir seinen Segen zugesagt hat, traue ich zu, dass er mehr vermag, als ich und mein Zorn ausrichten können. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer hat das in seinem ganz persönlichen Glaubensbekenntnis so formuliert: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.“ Oder wie Paulus sagen würde:

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem

Das Überwinden des Bösen mit Gutem besteht nicht in einer schwächlichen Nettigkeit gegenüber jedermann. Wir sollen nicht widerspruchsloser Spielball für alle Seiten sein. Das wäre ein morscher, ein falsch verstandener Friede, den wir da anstreben. Paulus ermutigt uns, aktiv für das Gute streiten, indem wir das Böse überwinden. Aber er weist uns darauf hin, dass die Überwindung des Bösen bei uns selber beginnt. Wenn wir Gleiches mit Gleichem vergelten, werden wir zum Abbild dessen, was wir bekämpfen wollen. Das Böse mit Gutem zu vergelten bedeutet, die Logik dieser Welt, die Spirale des Vergeltens und des Zurückschlagens beenden. Es bedeutet, dem Negativen etwas Positives entgegenzusetzen. Das erfordert Mut und Kraft. Und es gelingt auch nicht immer. Aber immer wieder. Amen.

Fürbitte

 

Barmherziger Gott, du weißt, was wir mitschleppen in unserem Leben: Kränkungen, die uns nachgehen. Erfahrungen, die uns zornig machen. Wir bitten dich: Mach uns fähig all das mit Gutem zu überwinden. Mit Liebe, mit Zuwendung, mit offenen und ehrlichen Worten. Hilf uns, dass wir andere verstehen lernen, sie aufrichten und miteinander Wege zum Frieden finden.

Vater unser im Himmel…

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen!

 

Wer eine Kerze angezündet hat, kann sie jetzt löschen. Sie leuchtet in Ihnen weiter.

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