St. Peter und Paul-Kirche Rössing

Losung Samstag, 04. Juli 2020

/Der HERR spricht:/ Ich will mich zu euch wenden und will euch fruchtbar machen und euch mehren und will meinen Bund mit euch halten.

3. Mose 26,9

Kirchengemeinde Rössing - aktuelle Leseandacht siehe unten

 

Wohnzimmerandacht zum 3. Sonntag nach Trinitatis 28. Juni 2020
von Vikar Johannes Hagenah

Wenn Sie mögen, zünden Sie sich eine Kerze an als Zeichen:

Jesus Christus, das Licht der Welt, ist bei uns – heute und alle Tage.

Auch wenn Sie nicht in die Kirche kommen können, sind wir alle im Glauben verbunden.

Wir wenden uns an Gott und beten:

Gott, wer ist wie du? So freundlich und gnädig? Du wendest dich uns zu, du streckst deine Hand nach uns aus ohne Vorbehalt. Wir möchten uns hinein nehmen lassen in die Atmosphäre deiner Freundlichkeit, aber manchmal stehen wir uns selber im Weg. Komm du uns entgegen und erfrische uns mit deiner Barmherzigkeit.

 

Lied: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt

 

Ich lobe meinen Gott,
der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe.
Ich lobe meinen Gott,
der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin.
Ehre sei Gott auf der Erde
in allen Straßen und Häusern,
die Menschen werden singen bis das Lied zum Himmel steigt:
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,
Frieden auf Erden!

Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle.
Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede.
Ehre sei Gott auf der Erde
in allen Straßen und Häusern,
die Menschen werden singen bis das Lied zum Himmel steigt:
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,
Frieden auf Erden!

Gedanken zum Sonntag

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!

Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. (Mi 7,18–19)

In Unterhaltungen kommt das wichtigste oft ganz zum Schluss. Die Gesprächspartner haben sich vielleicht schon erhoben, die eine hat schon nach der Jacke gegriffen. „Was ich noch sagen wollte…“ sagt der andere. In dem Moment, wo sich ein Gespräch dem Ende zuneigt, wird uns manchmal in besonderer Weise bewusst, was wirklich wichtig ist, worauf wir unbedingt noch einmal hinweisen wollen. Etwas soll nicht unausgesprochen bleiben. Ein wichtiger Punkt liegt uns noch auf der Seele.

Das Wichtigste kommt zum Schluss. So ist es auch bei unserem Predigttext. Er steht ganz am Ende des Buches vom Propheten Micha. Er ist gewissermaßen das Schlusswort, das Micha den Menschen seiner Zeit und auch uns mit auf den Weg geben will.

 

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld“

 

Das ist das Entscheidende für den Propheten. Gott ist am Ende gnädig. Staunend spricht Micha Gott an. Direkt. Unmittelbar. „Wo ist solch ein Gott, wie du bist“

Diese Worte können verwundern, wenn man sich anschaut, wie der Prophet davor redet: Micha geht mit den Eliten der damaligen Zeit hart ins Gericht. Er prangert die sozialen Missstände seiner Zeit offen an: „Weh denen, die nach Schaden trachten und mit bösen Gedanken umgehen, weil sie die Macht haben. Sie reißen Äcker an sich und nehmen sich Häuser, wie es sie gerade gelüstet.“ Man könnte Micha aufgrund seiner Botschaft einen radikalen Sozialkritiker nennen.

 

Micha sieht die Welt, wie sie ist, aber er sieht noch mehr. Er sieht, wie sie sein sollte, wie sie sein könnte. Er sieht sie mit den Augen der Liebe Gottes. Diese Liebe ist es, die ihn auch ihn zornig werden lässt über das Unrecht. Aber die Anklage und die Gerichtsandrohung haben bei Micha nicht das letzte Wort. Trotz allem schlechten in der Welt, trotz aller Ungerechtigkeiten zeigt sich das Wesen Gottes für Micha in seiner Gnade. Sein letztes Wort bleibt das von der Liebe und Zuwendung Gottes.

 

Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.

 

In unserer Alltagssprache kommt das Wort Sünde immer wieder vor. Wir reden von Verkehrssündern oder Steuersündern und machen uns über Bausünden lustig. Wo wir diesen Begriff verwenden, wird oft etwas verharmlost. Wenn wir von unseren Jugendsünden erzählen, denken wir beispielsweise an kleine Dummheiten, Streiche oder Verfehlungen.

Aber das meint Micha nicht, wenn er von Sünden und Sündenvergebung Gottes spricht. Der Prophet sieht die auf die Dunkelheit und Ungerechtigkeit der Welt. Auf den Egoismus und die Rücksichtslosigkeit der Menschen. Und er kommt zu dem Schluss: Eine Welt, in der es so zugeht ist ein Ort, wo viele Menschen von Gott getrennt sind. Da verläuft ein tiefer Riss zwischen der Welt wie sie ist und der Welt, wie sie sein sollte. Sünde heißt von Gott getrennt zu sein.
Die Bußpredigten, die Rufe zur Umkehr, der Hinweis auf Gott, all das bleibt ungehört. Vielleicht wird Micha in diesem Moment deutlich, dass sich die Welt nur ändern kann, wo Gott einen Schritt auf uns zumacht. Nur er kann die Trennung zwischen uns und ihm überwinden. Micha gebraucht dafür starke Bilder: Die Schuld, die von Gott zertreten wird, die Sünde, die er in den Tiefen des Meeres versenkt. Der Prophet verheißt uns: Wenn wir mit unseren dunklen Seiten hadern, auch wenn wir Gott vielleicht manchmal nicht spüren, können wir darauf vertrauen sein: Er wird immer wieder einen Schritt auf uns zu machen und den Abstand zwischen uns und ihm verringern. Wenn Gott die Schuld zertritt bedeutet das aber nicht einfach: Schwamm drüber, im Meer versenkt - alles vergessen. Micha schreibt, dass Gott so handelt, weil er sich unser erbarmt. Das bedeutet: Er fühlt mit uns. Und handelt für uns, wo wir es nicht mehr können. Denken Sie einen Moment an Augenblicke in ihrem Leben, wo Sie Erbarmen gespürt haben. Vielleicht geht es Ihnen wie mir: Erbarmen spüren wir dort, wo jemand unter seiner Situation leidet, aber selber nicht mehr herauskommt, obwohl er möchte.

 

Ich denke an einen Satz meines Vaters, den er einmal zu mir sagte und den ich bis heute nicht vergessen habe: „Du musst deinen Weg finden. Aber du kannst mit allem zu uns kommen. Wir haben dich immer lieb.“ Dieser Satz hat mein Leben immer wieder beeinflusst. Ich konnte das, was mich belastet, auch meine Fehler, wahrnehmen, aussprechen und dadurch annehmen. Vielleicht ist das auch etwas, das Micha von Gott verstanden hat: Gott nimmt uns die Verantwortung für unser Handeln nicht ab. Aber sein Erbarmen ermöglicht es uns, offen auf unsere dunklen Seiten und unsere Fehler zu blicken. Wir können mit uns ringen und dabei auch scheitern, weil wir uns letztlich Gottes Gnade sicher sein können. Seine Liebe steht am Ende. Denn das Wichtigste kommt zum Schluss. Amen.

 

Fürbitte

 

Barmherziger Gott, du handelst nicht mit uns nach unserer Sünde, sondern überwindest das Böse mit Gutem. Wir bitten dich: Mach uns Mut, wenn wir über unsere dunklen Seiten nachdenken. Stärke uns den Rücken, wenn wir Verantwortung übernehmen. Und lass uns mit anderen aber auch mit uns selber Erbarmen haben.

Vater unser im Himmel…

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen!

 

Wer eine Kerze angezündet hat, kann sie jetzt löschen. Sie leuchtet in Ihnen weiter.

 

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Wohnzimmerandacht zum 2. Sonntag nach Trinitatis 21. Juni 2020
von Vikar Johannes Hagenah

Wer mag, zünde sich eine Kerze an als Zeichen:

Jesus Christus, das Licht der Welt, ist bei uns – heute und alle Tage.

Auch wenn Sie nicht in die Kirche kommen können, sind wir alle im Glauben verbunden.

Wir wenden uns an Gott und beten:

Guter Gott, du rufst uns alle zu dir, jeden lädst du ein. Du willst die Mühseligen und Beladenen erquicken. Gib du uns ein Wort, das unsere Seele stärkt und uns Mut macht. Amen.

Lied: Kommt her, ihr seid geladen

 

Kommt her, ihr seid geladen,
der Heiland rufet euch;
der süße Herr der Gnaden,
an Huld und Liebe reich,
der Erd und Himmel lenkt,
will Gastmahl mit euch halten
und wunderbar gestalten,
was er in Liebe schenkt.

O Wonne kranker Herzen,
die mir von oben kam!
Verwunden sind die Schmerzen,
getröstet ist der Gram.
Was von dem Himmel fließt,
hat lieblich sich ergossen;
mein Herz ist gar durchflossen
vom süßen Liebesgeist.

 

Gedanken zum Sonntag (über Matthäus 11,25 - 30)

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.

Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Ruhe für die Seele – was für eine verheißungsvolle Zusage. Dass die Last auf den Schultern manchmal ein bisschen leichter wäre, dass wir diese Ruhe finden, wünschen sich im Moment wohl viele von uns. Doch gleichzeitig ist unsere Erfahrung eine andere. Viele sind noch unsicher, wie sie mit den zunehmenden Lockerungen im öffentlichen Leben umgehen sollen. Manche haben in der letzten Zeit über ihre Belastungsgrenze hinaus gearbeitet. Andere konnten ihrer Arbeit nicht nachgehen und stehen nun vor der Frage, wie es weitergehen soll. Und dann gibt noch es die vielen kleinen und großen Konflikte des Alltags, in der Beziehung, im täglichen Miteinander die uns manchmal so schwer diese Ruhe finden lassen.

 

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“
Diese Worte Jesu scheinen direkt zu uns zu sprechen. Was für eine schöne Einladung ohne Vorbehalte. „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ – sagt Jesus seinen Zuhörern: Menschen, die zum einfachen Volk gehörten, die sicherlich oft müde waren von der schweren Tagelohn-Arbeit – und die damit gerade mal ihre eigene Familie ernähren konnten.

Wenn es nur so einfach wäre“, mögen manche der Zuhörer vielleicht gedacht haben. Ein Gedanke, der auch uns nicht fremd ist. Komm zu Gott und alles wird gut – so einfach ist es doch nicht. Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass wir nicht weiterwissen und innerlich unruhig sind. Manchmal haben wir das Gefühl, dass wir uns behaupten müssen und unseren Wert als Mensch beweisen wollen. Unsere Verpflichtungen und Ziele, unser Selbstanspruch und Ansprüche von außen können uns manchmal wie ein Joch auf den Schultern liegen.

Aber Jesus gibt diesem Schweren eine Richtung. Wir müssen es nicht ziellos mit uns herumtragen, sondern können mit allem zu ihm kommen. In Jesus begegnet uns Gott selbst. Erkennbar. Offen. Zugewandt. Vielleicht ist das ein Anfang: Einen Ort zu haben, wo alles Schwere seinen Raum haben darf.

 

Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

Jesus verspricht uns nicht, dass alle Lasten aus unserem Leben verschwinden. Er ist kein Zauberer, der plötzlich eine andere Realität herstellt. Er will uns auch nicht zur Weltflucht verleiten. Aber es gibt etwas, das unsere Last leichter machen kann. Jesus fordert uns auf: Lernt von mir. Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.

 

Ein hoher Anspruch. Sanftmütig und demütig zu sein – kann man das lernen? Wir blicken auf Jesus, wie er auf große Gesten verzichtet. Dem Teufel in der Wüste tut er nicht den Gefallen, ihm seine Allmacht zu demonstrieren. Jesus geht offen auf Menschen zu, die am Rande der Gesellschaft leben. Auf einem Esel reitet er in Jerusalem ein. Er lehnt Gewalt ab gegen die, die ihn im Garten Gethsemane verhaften. Ein beeindruckendes Vorbild, aber trifft das unsere Situation?

Vielleicht denken wir an Momente, wo wir uns herausgefordert fühlten, unseren Status deutlich zu machen. Wo wir uns im Recht und den anderen im Unrecht sahen. Wir erinnern uns an Momente, über die wir uns geärgert haben, eine Situation, die uns noch tagelang nachhing. Vielleicht wäre uns manches davon leichter gefallen, wenn wir sanftmütiger oder auch demütiger gewesen wären. Und gleichzeitig wissen wir auch, wie schwer das ist.

 

Wir spüren: Sanftmut und Demut – das können wir nicht lernen, wie eine fremde Sprache. Sanftmütig und demütig können wir da werden, wo wir uns geliebt fühlen, wo unser Wert als Mensch nicht von uns selber abhängt. Sanftmut und Demut lernen wir im Angesicht Gottes. Wo wir uns als Geschöpf Gottes sehen, verstehen wir, dass wir gut so sind, wie wir sind. Da können wir darauf verzichten, Recht zu haben und unseren Status herauszukehren. Da können wir beginnen zu verzeihen. Das kann unsere Seele zur Ruhe finden lassen. Wir atmen auf, fühlen wir uns belebt und unsere Last wird leichter. Wir können etwas von dem loslassen, woran wir festhängen. Und wir sehen auch in unserem Gegenüber einen oder eine Gottgeliebte.

Amen.

Fürbitte

 

Guter Gott, Wir danken dir, dass du uns zu dir rufst. Ohne Vorbehalt. Immer wieder. Wir bitten dich: Gib uns Raum für das, was uns belastet. Lass uns deine Liebe immer wieder spüren, die uns aufatmen, glauben und hoffen lässt. Mache auch uns zu Boten deiner Liebe für andere.

Vater unser im Himmel…

 

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen!

 

Wer eine Kerze angezündet hat, kann sie jetzt löschen. Sie leuchtet in Ihnen weiter.

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Wohnzimmerandacht zum 1. Sonntag nach Trinitatis 14. Juni 2020
von Vikar Johannes Hagenah

Wer mag, zünde sich eine Kerze an als Zeichen:
Jesus Christus, das Licht der Welt, ist bei uns – heute und alle Tage.

Auch wenn Sie nicht in die Kirche kommen können, sind wir alle im Glauben verbunden.

Wir wenden uns an Gott und beten:

Guter Gott, du wirkst unter uns. Oft nehmen wir dein Tun aber nicht wahr, weil uns der Blick dafür fehlt oder wir viel zu sehr mit uns selbst beschäftigt sind. Rühre uns an durch dein Wort und öffne unsere Augen für deine Gegenwart unter uns. Amen.

Lied: Wenn das Brot, das wir teilen

Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
Und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt,
Dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
Dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht
In der Liebe, die alles umfängt,
In der Liebe, die alles umfängt.


Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt,
Und die Not, die wir lindern, zur Freude wird,
Dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
Dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht
In der Liebe, die alles umfängt,
In der Liebe, die alles umfängt.

 

Gedanken zum Sonntag

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.

Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.

(Apg. 4,32-35)

Ein Herz und eine Seele sein. Diese Redensart ist uns sehr vertraut. Wann haben wir sie zuletzt verwendet? Welche Menschen haben wir vor Augen, mit denen wir ein Herz und eine Seele sind oder waren? Oder fehlt uns so ein Mensch in unserem Leben gerade?

Ein Herz und eine Seele sein. Diesen Zustand wünschen wir uns vielleicht häufiger. So soll es unter den frühen Christen zugegangen sein. Der Evangelist Lukas zeichnet uns ein idyllisches Bild von der Gemeinde in Jerusalem. Die Gemeinschaft als ein Ort des Miteinanders – alle Güter werden geteilt. Jeder bekommt, was er braucht. Vielleicht ist dieses Bild auch ein kleiner Vorgeschmack auf das Reich Gottes.

Dieser Idealzustand, von dem in der Apostelgeschichte berichtet wird, erscheint uns als schöne, aber weltfremde Vision. Als alltäglich empfinden wird heute doch viel eher Unfrieden, Polarisierung und Misstrauen in vielen Bereichen der Gesellschaft, manchmal sogar in der Familie. Und auch die Lage der Jerusalemer Gemeinde bleibt nicht so idyllisch. Es gibt Konflikte und Auseinandersetzungen. Schon früher war dieses Ideal nie von Dauer.

Und dennoch gibt die Erzählung des Lukas uns Hinweise, wie unser Zusammenleben gelingen kann: „Mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus.“ Die Botschaft von Jesus vereinigt die Menschen. Sie macht diese Gemeinschaft miteinander überhaupt erst möglich. Wo wir in unserem Gegenüber einen Mitglaubenden, einen Mithoffenden entdecken, verschwinden Vorbehalte. Wir teilen unseren Glauben, erkennen Gemeinsamkeiten, werden offen füreinander. Dieses Miteinander können wir nicht selber erzeugen. Es wird uns von Gott geschenkt. Schon kurz zuvor in der Pfingstgeschichte erzählt der Evangelist davon, dass es die Kraft Gottes, den Heiligen Geist braucht, damit Menschen zueinander finden und einander verstehen können.

Aus diesem Verstehen, aus dem vertrauensvollen Miteinander entsteht jedoch auch ein neues Lebenskonzept: Lukas berichtet, dass die Jerusalemer Gemeinde alle Güter miteinander teilt. „Es war ihnen alles gemeinsam“ Dieser starke Anspruch mag uns heute fremd erscheinen. Und er hat auch in der Jerusalemer Urgemeinde schon bald ein Ende gefunden. Doch bestimmt haben wir selber schon erlebt, wie schön es ist, wenn jemand großzügig mit uns teilt. Oder wie beglückend es sein kann, jemand anderem etwas abzugeben.
Entscheidend ist der Satz: „Man gab einem jeden, was er nötig hatte.“ Das bedeutet: Wir haben ein offenes Auge dafür, was unsere Mitmenschen brauchen, was sie nötig haben. Und wir sehen die Bedürfnisse nicht nur, wir versuchen auch ihnen gerecht zu werden, unseren Mitmenschen etwas davon zu geben, was sie nötig haben. Gleichzeitig werden auch wir gesehen in unseren Bedürfnissen. Wo das gelingt, da sind wir für einen Moment mit jemandem ein Herz und eine Seele.
„Ein Herz und eine Seele“ das bleibt immer eine Momentaufnahme und eine Vision. Solche Visionen wollen gelebt werden. Sie sind Ausdruck unserer Sehnsucht nach der Fülle des Lebens. Diese Fülle kann uns nur Gott schenken. Wo wir Miteinander ein Herz und eine Seele sind, wo wir in der Hoffnung verbunden sind und uns in unseren Wünschen und Bedürfnissen wahrnehmen, da scheint etwas vom Reich Gottes in unserer Mitte auf.

Amen.

Fürbitte

 

Barmherziger Gott, du kennst uns. Besser, als wir uns selber kennen. Du siehst unsere Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Mach du uns deiner Liebe gewiss und schenke uns das Vertrauen in deine Macht. Öffne uns Herzen und Hände für die, die uns brauchen.
Vater unser im Himmel…

 

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen!

 

Wer eine Kerze angezündet hat, kann sie jetzt löschen. Sie leuchtet in Ihnen weiter.

 

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Wohnzimmerandacht zu Trinitatis 7. Juni 2020

von Vikar Johannes Hagenah

Wer mag, zünde sich eine Kerze an als Zeichen:

Jesus Christus, das Licht der Welt, ist bei uns – heute und alle Tage.

Auch wenn Sie nicht in die Kirche kommen können, sind wir alle im Glauben verbunden.

Wir wenden uns an Gott und beten:

Guter Gott, Du kommst uns entgegen mit deiner Liebe und deiner Freundlichkeit. Du stellst uns unter deinen Segen. Wo wir für unser Leben nur noch Schwierigkeiten sehen und Sackgassen fürchten, da sagst du uns zu, dass du mit uns gehst. Sei du bei uns, lass uns deine Gegenwart fühlen, wenn wir miteinander lesen, beten und dir nachspüren. Amen.

Lied: Komm, Herr segne uns

1. Komm, Herr, segne uns,

dass wir uns nicht trennen,
sondern überall uns zu dir bekennen.
Nie sind wir allein,
stets sind wir die Deinen.
Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

2. Keiner kann allein Segen sich bewahren.
Weil du reichlich gibst,
müssen wir nicht sparen.
Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen,
schlimmen Schaden heilen,
lieben und verzeihn.

3. Frieden gabst du schon,
Frieden muss noch werden,
wie du ihn versprichst
uns zum Wohl auf Erden.
Hilf, dass wir ihn tun, wo wir ihn erspähen -
die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

4. Komm, Herr, segne uns,
dass wir uns nicht trennen,
sondern überall uns zu dir bekennen.
Nie sind wir allein, stets sind wir die deinen, Lachen oder Weinen
wird gesegnet sein

Gedanken zum Sonntag

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“
 

Altvertraute Worte begegnen uns im Predigttext für den Trinitatissonntag. Was fühlen Sie beim Lesen? Sind Ihnen die Worte so bekannt, dass Sie sie nicht so bewusst wahrnehmen? Oder sind Sie eher wie eine vertraute Melodie, die man mitsummt und die einem ein gutes Gefühl gibt? Vielleicht fühlen Sie sich auch angerührt?

Für mich geht von diesen wunderbaren und altvertrauten Worten eine eigentümliche Faszination und Kraft aus. Diese Worte berühren mich in meinem Inneren. Ein Mensch spricht uns den Segen zu. Aber durch ihn hindurch beginnt eine andere Stimme uns anzureden. Gott tritt zu uns in Beziehung. In der Sprache des Alten Testaments wird das besonders deutlich: Dort gibt es keinen Unterschied zwischen den Worten „Gott möge dich segnen“ und „Gott segnet“. Der Segen ist Wunsch und Feststellung zugleich: Gott segnet und er behütet. Diese Worte beschreiben, wie stark uns Gott umfängt, auf den hellen und den dunklen Seiten unseres Lebens. „Lachen oder Weinen wird gesegnet sein“, heißt es in dem Lied von Dieter Trautwein. Wir wissen: Segen Gottes ist kein magischer Zauber, der uns vor schweren Erfahrungen bewahrt. Aber all unsere Erfahrungen, die leichten und die schweren stehen unter seinem Segen. Wir sind nicht alleine:

Gott lässt sein Angesicht leuchten über uns, er erhebt sein Angesicht auf uns. Man könnte auch sagen: Gott blickt uns ohne Vorbehalte freundlich an. Wir werden von ihm gesehen mit allen guten und allen schlechten Seiten. Und er nimmt uns an wie wir sind. Er sagt uns seinen Schutz und sein Geleit ohne Einschränkung zu. Das ist seine Gnade: Sein Leuchten, die Offenheit uns gegenüber, seine Liebe ist nicht an Bedingungen geknüpft. Er bleibt uns zugewandt. Das kann unseren Blick auf uns selber verändern.

Der Segen Gottes ist ein Geschenk an uns. Er verbindet uns auch mit unseren Mitmenschen. Als Gesegnete können und sollen wir selber den Segen Gottes weiterreichen. Das Lied von Dieter Trautwein gibt uns einen Eindruck, wo durch unser Handeln Segen gedeihen kann: Im Teilen von guten Gaben, vielleicht auch im Teilen von Gefühlen. Segen gedeiht im Verzeihen und in der Liebe, also da, wo wir einem Menschen offen begegnen und ihnen eine zweite Chance geben. Wo wir sie annehmen, wie sie sind. Vielleicht haben auch wir schon diesen Segen in unserem Leben erlebt. Da wurde mit uns geteilt und uns verziehen. Da wurden wir geliebt.

Sonntag für Sonntag wird uns im Gottesdienst der Segen zugesprochen. Er steht auch am Ende von jeder Wohnzimmerandacht. Der Segen Gottes begleitet uns in die neue Woche hinein. Diese Worte können uns tragen, wenn wir wieder unserer Wege gehen. Sie tragen in allem Schweren und Leichten, das auf uns zukommt. Sie vergewissern uns der Liebe Gottes, die unseren Blick weiter macht und uns eine neue Perspektive schenkt.  

Amen.

Fürbitte

 

Gott, du erfüllst die Welt mit deiner Hoffnung, denn du sprichst uns deinen Segen zu.

Wir bitten dich für uns alle: Mach uns Mut, getrost in die Zukunft zu gehen. Segne uns und lass uns zum Segen für andere werden. Öffne unsere Herzen für das Schöne in unserem Leben. Öffne unsere Augen für die Not anderer. Wo wir uns verlaufen haben, richte uns neu aus. Wo uns Schweres drückt, hilf du uns tragen. Bewahre uns durch deine Liebe.

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!

 

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen!

 

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Wohnzimmerandacht zu Pfingsten – 31. Mai 2020

Wer mag, zünde sich eine Kerze an als Zeichen:

Jesus Christus, das Licht der Welt, ist bei uns – heute und alle Tage.

 

Auch wenn Sie nicht in die Kirche kommen können, sind wir alle im Glauben verbunden.

Wir wenden uns an Gott und beten:

Guter Gott, sende uns deinen Heiligen Geist, dass er uns hilft zu glauben, damit er uns hilft zu teilen und freundlich zu sein. Guter Gott, sende uns deinen Heiligen Geist, dass er unsere Zweifel und Ängste vertreibe, damit wir frei atmen können. Guter Gott, sende uns deinen Heilige Geist, dass er in uns atme, dass wir begeistert werden und die Sprache des Verstehens und der Liebe sprechen und einander den Frieden bringen. Amen!

 

Lied

Komm, Heilger Geist

Refrain: Komm, Heilger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft.

1.Wie das Feuer sich verbreitet und die Dunkelheit erhellt, so soll uns dein Geist ergreifen, umgestalten unsre Welt. Refrain: Komm, Heilger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft.

2.Wie der Sturm so unaufhaltsam, dring in unser Leben ein. Nur wenn wir uns nicht verschließen, können wir deine Kirche sein. Refrain: Komm, Heilger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft.

3. Schenke uns von deiner Liebe, die vertraut und die vergibt. Alle sprechen eine Sprache, wenn ein Mensch den andern liebt. Refrain: Komm, Heilger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft.

 

Gedanken zum Sonntag

Beim ersten Pfingstfest hören die Menschen himmlisches Brausen, sehen Feuerzungen auf den Köpfen der Versammelten, vernehmen ein Reden, das aus Eingebung geschieht. Gottes Geist wird erfahren, handgreiflich und sichtbar. Es geschieht, was wir uns auch wünschen: Die Kirche wird vom Geist Gottes regiert.

Das Pfingstfest, damals in Jerusalem war ein einmaliges Ereignis. Wie bei anderen Wundergeschichten auch, berichtet der Erzähler hier von einem Geschehen, das sich so nicht wiederholen wird. Uns soll es aber aufmerksam machen auf etwas, das auch wir erfahren können. Zwei Erfahrungen sind es, von denen erzählt wird: Menschen erfahren, dass Gottes Geist ihnen die Kraft gibt, zu anderen zu sprechen. Und Menschen erfahren, dass Gottes Geist ihnen Kraft gibt, andere zu verstehen.

Die Jünger und Jüngerinnen sind zunächst unsicher, scheuen sich von ihrem Glauben zu erzählen. Aber dann geschieht das Wunder. Auf einmal sind alle Besorgnis und alle Zurückhaltung verflogen. Die Angst ist überwunden. Sie reden laut und öffentlich. „Sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen“, heißt es in der Geschichte.

Das ist die erste Erfahrung, die die Jüngerinnen und Jünger Jesu mit dem Geist Gottes machen: Jeder und jede wird dazu befähigt, laut und öffentlich vom eigenen Glauben zu sprechen. Ihre Sprachlosigkeit wird überwunden.

Wir wissen, was es heißt, sprachlos zu sein. Uns fehlen die helfenden Worte des Trostes, der Versöhnung, der Ermutigung. Es ist schon erstaunlich, wie viel wir Sprache zutrauen. Wir halten es für möglich, dass sie Menschen miteinander versöhnt, dass sie Verzweifelte tröstet, dass sie Konflikte friedlich zu beenden vermag. Sprache kann helfen und heilen. Das geschieht in jedem geglückten Gespräch. Wir erleben es immer wieder. Sprache hilft uns, Probleme zu erkennen und zu benennen. Sie führt zum Verstehen und zur Verständigung.

Damit sind wir bei der zweiten Erfahrung, von der die Pfingstgeschichte erzählt. Als jenes Brausen geschah, wurde die Menge bestürzt. Denn ein jeder hörte die Jünger reden in seiner eigenen Sprache. Sie verwunderten sich und sprachen: „Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Wir hören sie in unseren Sprachen von den großen Taten Gottes reden.“

Meine Sprache kann dann helfen und heilen, wenn sie verstanden wird. Wenn mein Gegenüber dieselbe Sprache spricht. Wenn ich anderen meine Sprache nicht aufzwinge, sondern wenn ich bereit bin, mich auf ihre Sprache einzulassen.

Auch wir kennen das Nebeneinander unterschiedlicher Sprachen. Wie sehr freuen wir uns, wenn das Gegenüber uns versteht, im Urlaub, zum Beispiel oder wenn wir die Fachsprache im Arztbericht verstehen. Das gehört in gewisser Weise auch zu dem, was das Pfingstwunder ausmacht.

Pfingsten zeigt jedoch noch mehr, nämlich Gottes Geist kann die Verstehensschwierigkeiten des Glaubens bei uns Menschen überwinden. Die Pfingstgeschichte schildert, dass sich Gottes Geist auf die Sprache der Menschen einlässt. Das Evangelium darf übersetzt werden in die Sprachen der Welt. Die Rede von den großen Taten Gottes ist nicht gebunden an so etwas wie heilige Sprache. Vielleicht ist das Evangelium überhaupt nicht immer gebunden an eine Sprache, die sich in Worten ausdrückt. Verstehen und Verständigung sind auch durch Blicke oder eine zärtliche Berührung möglich, die uns sagen: Du bist mir wichtig, ich bin für dich da. Du kannst mir vertrauen.

Gott hat unsere Sprache gelernt, damit uns seine frohe Botschaft erreichen kann. Er überwindet unsere Hemmnisse ihn zu verstehen. Nur deshalb können wir hören, was das Evangelium uns sagt. Gott sagt uns: Ihr seid für mich wichtig. Ich bin für euch da. Verstehen und verstanden werden auf beiden Seiten. Bei Gott und bei uns.

An dieser Stelle könnte die Pfingsterzählung eigentlich zu Ende sein. Die Wundergeschichte hätte ihren überzeugenden Abschluss.

Aber: Verstehen und Glauben sind offenbar zweierlei. Es führt zwar eine Linie vom Glauben zum Verstehen. Aber das Verstehen führt keineswegs immer zum Glauben.

Wir werden nicht unbedingt für betrunken gehalten wie die Jüngerschaft damals, wenn wir versuchen, die frohe Botschaft zu vermitteln. Aber wir machen die Erfahrung, dass unsere Worte ungehört verhallen. Das wird auch in Zukunft immer wieder so sein.

Wir werden immer mal wieder erfahren, dass wir uns mehr zumuten, als wir leisten können oder auch, dass es zu Konflikten kommt, aus denen wir keinen Ausweg wissen, wenn wir den Glauben ins Gespräch bringen.

Die Pfingstgeschichte sagt uns, dass in solchen Situationen der Heilige Geist da ist. Pfingsten erinnert uns, dass Gott bei uns ist, auch wenn unsere Worte und Gedanke ungehört verklingen. Gottes Geist weht eben, wo er will. Amen!

 

Fürbitte

Guter Gott, hilf uns dein Wort zu verstehen, so dass es unsere Hoffnung beflügelt,

Mut und Zuversicht gibt für unser Leben.

Wir bitten dich für alle Menschen, um deinen Geist des Trostes und des Beistands

der Liebe und des Friedens, des Lichts und der Klarheit.

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!

 

Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen!

 

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Wohnzimmerandacht zum Sonntag Exaudi 24. Mai 2020

Wer mag, zünde sich eine Kerze an, als Zeichen:

Jesus Christus, das Licht der Welt, ist bei uns – auch wenn die Zeiten dunkel sind.

Wir feiern Andacht– jeder für sich, aber in Gedanken verbunden.

Unsere Kirchenglocken läuten, um uns zu erinnern: Auch wenn wir nicht zusammen kommen können, ist Christus mitten unter uns, wenn wir zu ihm beten:

Mein Gott, ich danke dir, dass ich zu dir beten kann.

Ich muss dazu keine Worte finden.

Du hörst auch das Ungesagte, du kennst mich und nimmst mich an mit allem, was zu mir gehört.

Dein Licht erleuchtet uns und dein Wort will unser Herz verwandeln. So sende deinen Heiligen Geist, dass er uns tröste und Mut mache und erkennen lasse, was zum Leben hilft. Amen.

Lied (im Herzen zu singen): EG 501
1) Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,
des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.
Die Tier sieht man jetzt springen Mit Lust auf grüner Weid,
die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.

2) Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein!
Die Blüt zur Frucht vermehre, lass sie ersprießlich sein.
Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß;
drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloss'.

3) Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein,
damit sich's möge schicken, fröhlich im Geist zu sein,
die größte Lust zu haben allein an deinem Wort,
das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.

4) Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein
und lass mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein;
die Blümlein lass aufgehen von Tugend mancherlei,
damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.

Gedanken zum Tag

 

„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein.“      Apostelgeschichte 1,8


Der sechste Sonntag nach Ostern heißt Exaudi: „Höre Gott, auf meine Stimme“.   Zwischen den Festen Christi Himmelfahrt und Pfingsten  ist der Gottesdienst an Exaudi eher schwach besucht. Viele Menschen kommen gern  zur ökumenischen  Himmelfahrt-Feier  im Freien und machen es sich  dann drei Tage später zu Hause gemütlich oder fahren weg.

 

Es ist also ein Sonntag, der  irgendwie in der Luft hängt. So wie die Jünger nach dem Abschied von Jesus irgendwie in der Luft hängen und heute viele Menschen in dieser Zeit des Abstandhaltens auch. Da passt es, dass die Texte des Sonntags vom  Warten handeln.


Ich werde wohl etwas wehmütig sein,  denn an Exaudi sollte in Barnten unsere Enkelin Antonie getauft werden.  Die Taufe wurde abgesagt wie viele andere Feiern auch. Wir warten, wann es einen neuen Termin geben kann. Auch wenn die Kirchen bald wieder zu Gottesdiensten geöffnet sind, ist es doch nicht der Gottesdienst, wie wir ihn kennen. Da kann jeder kommen und einen Platz finden, wir singen, wir feiern das Abendmahl und sind uns nahe.  Ach, das soll doch bald wieder möglich sein.  Jetzt weiß man erst, was man hatte.

 

Alte und kranke Menschen haben hoffentlich einen Teil des Wartens überstanden, denn jetzt darf wieder Besuch kommen ins Krankenhaus  oder ins Altenheim.

 

Kinder und Jugendliche warten, dass sie bald ihre Freunde in der Kindertagesstätte oder in der Schule wieder sehen. Gastwirte möchten ihre Gäste bewirten und Künstlerinnen ihr Publikum wieder finden. Vieles wird  gerade entbehrt an Nähe und Freude.

 

Wie damals in Jerusalem.  Jesus ist nicht mehr leiblich da.  Die Jünger müssen damit klar kommen. Sie sind in einem Haus zusammen und lassen den Kopf hängen. Was soll nun werden?  Viel haben sie  aufgegeben, um mit Jesus zu sein. Und jetzt sind sie allein. Man ist auf sich zurück geworfen, die Gedanken sind bei der Zeit, die man zusammen hatte. Und was kommt? Sieht man sich wieder?

 

Aber dann denken sie an das, was Jesus versprochen hat. Ihr bleibt nicht allein. Ihr werdet neue Kraft bekommen: Der Tröster ist auf dem Weg, der Heilige Geist. Er wird euch Mut machen und ihr werdet Zeugen sein für eine Liebe, die Menschen zueinander führt.

 

Noch können die Jünger das nicht glauben.  Noch ist ihr Blick gesenkt und die Türen nach draußen sind verschlossen. Wir bleiben zu Hause. Wir warten,  dass  das Versprechen eingelöst wird.  „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen“.


Damals wie heute: Gemeinde Christi ist wartende Gemeinde. Betende Gemeinde. Sie nimmt ihren Herrn beim Wort und vertraut: Wir sind nicht allein, der Tröster ist auf dem Weg. Pfingsten wird sein Kommen erbeten und gefeiert.              

 

In der Stille sage ich dir, Gott, was mich bewegt. Und nenne die Namen derer, um die ich mich sorge. Und lege sie dir ans Herz und auch mich selbst und die ganze Schöpfung  dazu. Erbarme dich.

 

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

 

Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden. Amen

 

(mit herzlichen Grüßen aus Hildesheim: Ihre ehem. Pastorin Griet Stallmann-Molkewehrum )

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Wohnzimmerandacht zu Rogate – 17. Mai 2020

Wer mag, zünde sich eine Kerze an als Zeichen:

Jesus Christus, das Licht der Welt, ist bei uns – heute und alle Tage.

Wir feiern Andacht am Sonntag Rogate – jede und jeder für sich, aber in Gedanken verbunden.

Auch wenn wir nicht in der Kirche zusammen kommen können, sind wir im Glauben verbunden.

Wir wenden uns an Gott und beten mit Worten aus

Psalm 95

Kommt herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken

und jauchzen dem Hort unsres Heils!

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen

und mit Psalmen ihm jauchzen!

Denn der Herr ist ein großer Gott

und ein großer König über alle Götter.

Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde,

und die Höhen der Berge sind auch sein.
Denn sein ist das Meer, und er hat‘ s gemacht,

und seine Hände haben das Trockene bereitet.

Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn,

der uns gemacht hat.

Denn er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide

und Schafe seiner Hand.

Gebet

Guter Gott, schon immer haben Menschen sich an dich gewandt, dir ihre Sorgen mitgeteilt, dir gedankt für die schönen Erlebnisse, dir auch geklagt, wenn sie unzufrieden waren. Du hast immer ein offenes Ohr. Du kennst uns, auch mich. Du weißt, wie es mir geht. Sei und bleibe du bei mir, höre mich, wenn ich zu dir bete und schenke meiner Seele Ruhe und Frieden. Amen!

 

Gedanken zum Sonntag

Not lehrt beten“ – das höre ich schon einmal nach einer schweren persönlichen Krise. Menschen wenden sich Gott zu, wenn sie selbst an Grenzen kommen, bei einer schweren Krankheit, in scheinbar ausweglosen Momenten. Es hilft, sich Gott anzuvertrauen, sich fallen zu lassen im Gebet und dann wieder aufgerichtet zu werden. Aber nicht nur persönliche Notsituationen lenken unseren Blick auf Gott. Naturkatastrophen, Terroranschläge, auch die Corona-Pandemie führen dazu, dass Menschen wieder beten. Gern tun sie das in Gemeinschaft, um sich zu vergewissern: Ich bin mit meinen Sorgen nicht allein. Auch die anderen sind ratlos und wir teilen die Hoffnung auf Gottes Nähe und seine stärkende Zuwendung.

Heute am Sonntag Rogate rückt das Beten in den Mittelpunkt der Andacht. Rogate! Bete! So lautet die Aufforderung. Aber wie mache ich das, fragen viele jüngere Menschen. Sie haben nicht mehr gelernt zu beten. Wenn ich die Konfirmandinnen und Konfirmanden frage, ob sie Tischgebete kennen oder ein Abendgebet, dann zucken sie mit den Schultern. Wie sollen sie da Worte finden, mit denen sie sich an Gott wenden können. Wer nie zu beten gelernt hat, wird auch in einer Notsituation keine Worte finden.

Zurzeit Jesu war das anders. Da gehörte das Beten für die meisten Menschen zum täglichen Leben. Ein Gebet war Ausdruck des eigenen Glaubens und das haben manche nach außen getragen, ja sogar mit ihrer religiösen Praxis angegeben. Da wundert es mich nicht, dass Jesus in der Bergpredigt darauf eingeht. Beten, ist keine Verhaltensweise, mit der man prahlen sollte. Und so fordert er seine Zeitgenossen auf im Verborgenen zu beten, allein im Zwiegespräch mit Gott die Anliegen vorzubringen.

Und viele Worte sind dabei nicht nötig. Deshalb schenkt Jesus uns das Vaterunser. Ein Gebet, das Christen und Christinnen auf der ganzen Welt miteinander verbindet. Ein Gebet, das in die Lebenswenden hineingehört. Bei der Taufe wurde es gesprochen, bei der Konfirmation, der Trauung. Auch, wenn wir gestorben sind, schenkt es Trost und Sicherheit. Immer begleiten uns diese vertrauten Bitten, auch an ganz normalen Tagen, zu Hause und am Krankenbett, im Gottesdienst und auch in einsamen Stunden. Der Dichter Matthias Claudius hat einem Freund dazu geschrieben: „Das ‚Vater Unser‘ ist ein für allemal das beste Gebet, denn DU weißt, wer‘ s gemacht hat.“

Schauen wir einmal bewusst auf die einzelnen Teile. Da ist die Anrede. Vater dürfen wir Gott nennen und damit anerkennen: Wir sind Gottes Kinder, untereinander Geschwister. So wie wir unsere Kinder gleich lieben (sollten), so macht Gott auch keine Unterschiede.

Heilig ist uns etwas, was uns wertvoll ist, unaufgebbar. Wir halten Gott heilig, wenn wir niemanden anderen über uns bestimmen lassen. Das gibt uns Würde und Freiheit. Gott allein ist der Herr, das macht frei von weltlichen Mächten. Danach folgen zwei Bitten, die uns in die Nachfolge rufen. Schon hier auf Erden sollen wir Gottes Reich spürbar werden lassen durch die Art und Weise wie wir miteinander umgehen. Achtsam und respektvoll, immer darauf bedacht, dass Trauernde Trost finden, Kranke Zuspruch, Hungernde Nahrung. Denn so wie wir den Mitmenschen begegnen, so begegnen wir Gott. Beim täglichen Brot geht es für uns in Deutschland um das gerechte Teilen. Wir haben alles, was wir zum Leben brauchen. Aber das ist nicht überall so. Und deshalb ist die Bitte gleichzeitig Dank und Aufforderung.

Viele sagen, die Bitte um Vergebung sei die schwierigste im Vaterunser. Tatsächlich leben wir in einer Gesellschaft, die oft erbarmungslos ist. Ohne Gnade werden Fehler verfolgt. Dabei vergessen wir, dass niemand ohne Schuld ist. Meist lässt sich nicht rückgängig machen, was wir anderen antun. Da ist es gut um Vergebung zu bitten und gleichzeitig vergebend auf andere zuzugehen. Die Bitte um die Erlösung vom Bösen passt dazu. Alles, was Leben schädigt und gefährdet ist böse: Machtmissbrauch, Ausbeutung der Natur, rücksichtsloses Gewinnstreben…. Dem zu wiederstehen ist oft schwer und deshalb bitten wir Gott um seine Unterstützung.

Am Ende des Gebets wird der Blick wieder auf Gott gelenkt, ihm verdanken wir alles: Sein Reich, seine Kraft und Herrlichkeit lassen unser Leben reich werden.

Amen!

 

Fürbitte

Lebendiger Gott,

dein Sohn hat uns gelehrt wie wir beten sollen. Er hat uns Worte geschenkt, in die wir alles hineinlegen können, was uns bewegt ohne viele Worte zu machen:

So schließen wir in das Gebet deines Sohnes alle ein:

die Verantwortung tragen in unserer Zeit, die unter Gewalt und Krieg leiden,

denen das Nötigste zum Leben fehlt, die krank, traurig und verzweifelt sind.

Sie sind in unseren Herzen und Gedanken, wenn wir weiterbeten:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!

 

Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen!

Wer eine Kerze angezündet hat, kann sie jetzt löschen. Sie leuchtet in Ihnen weiter.

 

 

Wohnzimmerandacht zu Kantate – 10. Mai 2020

Wer mag, zünde sich eine Kerze an als Zeichen:
Jesus Christus, das Licht der Welt, ist bei uns – heute und alle Tage.

Wir feiern Andacht am Sonntag Kantate – jede und jeder für sich, aber in Gedanken verbunden.

Auch wenn wir nicht in der Kirche zusammen kommen können, sind wir im Glauben verbunden.

Wir wenden uns an Gott und beten:

Gott, es tut gut dir zu vertrauen und zu spüren, dass wir bei dir geborgen sind.

Du trägst uns durch Zeiten der Sorge und Unsicherheit,

lässt uns Zuwendung und Unterstützung erfahren

durch Familie, Nachbarn und Freunde. Wir sind nicht allein, auch wenn uns Nähe und Umarmung manchmal fehlen. Lass uns deine Stimme hören, die von deiner Liebe erzählt.

Ihr Klang lässt unsere Seele aufatmen, zur Ruhe kommen,

so dass wir deine Liebe in uns tragen und weitertragen können. Amen!

 

Lied (im Herzen zu singen oder wer mag auch laut): Ich sing dir mein Lied

(dt. Text: Fritz Baltruweit, Barbara Hustedt, Musik aus Brasilien)

Ich sing dir mein Lied. In ihm klingt mein Leben. Die Töne, den Klang, hast du mir gegeben von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde, du Quelle des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

 

Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt meine Leben. Den Rhythmus, den Schwung hast du mir gegeben von deiner Geschichte, in die du uns mitnimmst, du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben. Die Tonart, den Takt hast du mir gegeben von Nähe, die heil macht – wir können dich finden, du Wunder des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben Die Höhen und Tiefen hast du mir gegeben. Du hältst uns zusammen trotz Streit und Verletzung, du Freundin des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben. Die Töne, den Klang hast du mir gegeben von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen, du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Gedanken zum Sonntag

Ich erinnere mich. Es war wieder einmal Sonntag, 18.00 Uhr. Ich saß zu Hause im Wohnzimmer, das Buch hatte ich aus der Hand gelegt und überlegte, was ich noch machen könne. Da erklang Musik. Mein Nachbar spielte in seinem Garten Trompete, mitten in der Stadt. Choräle erklangen, auch Beethoven, zum Schluss ein Abendlied. Wie schön, dachte ich. Und mir wurde deutlich, wie sehr ich das Singen in der Kantorei und im Gottesdienst vermisse.

Ob der Nachbar wohl auch heute Abend spielen wird? Am Sonntag Kantate.

Gibt es bei Ihnen in Rössing und Barnten auch Musizierende, die in Corona-Zeiten sonntags draußen spielen für andere, zum Dank und zur Freude. Heute würden sie dem Sonntag Kantate und damit Gott alle Ehre machen. Seinen Namen hat er von Psalm 98,1 „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Gott danken, ihn loben und sich seiner Nähe vergewissern – das können wir mit unseren Klängen. Wir fühlen uns im Einklang mit uns selbst, mit unserem Leben, mit der kleinen und großen Welt um uns herum. Wenn wir das empfinden, dann fühlen wir uns meist auch im Einklang mit Gott.

 

Wie Menschen sich im Einklang mit sich selbst und Gott erfahren, beschreibt Martin Schleske am Beispiel des Geigenspiels. Eine Geige besteht aus Saiten, die über einen hölzernen Resonanzkörper gespannt sind. Streicht die Geigerin mit dem Bogen über die Saiten, gerät der Korpus in Schwingungen. Die Töne der Geige erklingen.

Jeder Mensch ist solch ein Resonanzkörper. In jedem Menschen erklingt die eigene Lebensmelodie, mit eigenem Rhythmus, eigenen Höhen und Tiefen, mit eigenen Stimmungen und Schwankungen.

 

Wenn das Herz zum Resonanzkörper für Gott wird, dann klingt er im Einklang mit sich selbst und mit Gott. Das ist es wozu jede und jeder von uns auserwählt ist: Klangkörper für Gott zu sein.

Ich lade Sie ein heute am Sonntag Kantate dem nachzuspüren, wie und wo sie Klangkörper Gottes sind. Wo fühlen Sie sich beschwingt, weil Gottes Liebe Sie behütet in unseren bewegten Zeiten? Wo erfahren Sie heilsame Nähe in aller Distanz und können so die schönen und schweren Momente teilen? Wo werden schmerzende Dissonanzen, die durch verletzende Worte oder Taten entstanden sind, in Erfahrungen geführt, die helfen, die Zuversicht zu behalten. Wo gibt es Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen, so dass Perspektiven für die Zukunft am Horizont auftauchen. Nehmen Sie sich Zeit Gottes Lebensmelodie für Sie persönlich zu entdecken. Und spüren Sie dem Einklang mit Gott nach. So werden Sie selbst das neue Lied, in dem Gottes Wunder erklingen. Amen!

 

Fürbitte

Gott, schenke mir Augenblicke des Einklangs – mit mir, mit dir und der Welt um mich herum. Solche Augenblicke tragen mich durch schwere Zeiten. Lass mich ein Klangkörper deiner Liebe sein.

Sei du mit deiner ermutigenden Liebe bei denen, die keine Töne mehr herausbringen, bei denen, die ihre Melodie noch nicht gefunden haben und bei denen, deren zarte Stimme in unserer Welt kein Gehör finden.

 

Sei mit deiner bestärkenden Liebe bei allen, die in unserem Land Entscheidungen treffen in der Vielfalt der Interessenlagen. Lass sie das Maß finden zwischen Schutz und Freiheit, zwischen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Anliegen.

 

Was mich sonst noch bewegt lege ich in die Worte, die dein Sohn uns gegeben hat.

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!

 

Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen!

 

Wer eine Kerze angezündet hat, kann sie jetzt löschen. Sie leuchtet in Ihnen weiter.

 

 

Liebe Gemeindemitglieder,

jetzt ist sie vorbei, meine Zeit als Pastorin in Rössing und Barnten.

Dass ich nicht richtig „Auf Wiedersehen“ sagen kann aufgrund der Corona-Einschränkungen, macht den Abschied für mich irgendwie noch unwirklich.

So gibt es statt einem großen viele kleine Abschiede, und die Wohnzimmerandacht für den Sonntag Jubilate ist einer davon.

Ich blicke zurück auf eine aufregende, erfüllte Zeit – und werde den beiden Gemeinden, den Kirchenvorständen und den Menschen in Rössing und Barnten im Herzen verbunden bleiben.

Die Kirchenvorstände aus Barnten und Rössing werden in dieser Woche noch zusammen mit der Vakanzvertreterin, Frau Pastorin Schiwek, beraten, wie die beiden Kirchengemeinden die Sonntage feiern können, solange Zusammenkünfte in den Kirchengebäuden nicht stattfinden dürfen.

Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie gut durch diese Zeit kommen.

Und am Ende sind wir doch alle gemeinsam unterwegs, hier wie dort, im Glauben verbunden.

Bleiben Sie behütet!

Herzlichst, Ihre Anne-Christin Ladwig

 

Wohnzimmerandacht zu Jubilate – 3. Mai 2020

Wer mag, zünde sich eine Kerze an, als Zeichen:

Jesus Christus, das Licht der Welt, ist bei uns – auch wenn die Zeiten dunkel sind.

Wir feiern Andacht am Sonntag Jubilate – jeder für sich, aber in Gedanken verbunden.

Unsere Kirchenglocken läuten, um uns zu erinnern: Auch wenn wir nicht zusammen kommen können, ist Christus mitten unter uns, wenn wir zu ihm beten:

Gott, ich tue mich schwer mit Veränderungen. Im Vertrauten finde ich mich zurecht.

Manchmal reicht schon eine kleine Abweichung, um mich zu verunsichern.

Jetzt ändert sich gerade sehr viel. Langsam ahne ich, dass der Alltag, wie er einmal war,

für lange Zeit nicht mehr wiederkommen wird – wenn überhaupt.

Gott, du bleibst beständig, in allem, was wird; in allem, was vergeht.

Gib mir Hände, die loslassen können, was vergangen ist –

ein mutiges Herz, das der Zukunft entgegentritt –

und offene Augen für das, was die Gegenwart an Wunderbarem für mich bereithält. Amen

 

Lied (im Herzen zu singen): Geh unter der Gnade – Manfred Siebald

Refrain: Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen,
geh mit seinem Frieden, was auch immer du tust.
Geh unter der Gnade, hör auf Gottes Worte,
bleib in seiner Nähe, ob du wachst oder ruhst.

 

Alte Stunden, alte Tage, lässt du zögernd nur zurück.
Wohlvertraut wie alte Kleider sind sie dir durch Leid und Glück.

 

Neue Stunden, neue Tage, zögernd nur steigst du hinein.
Wird die neue Zeit dir passen, ist sie dir zu groß, zu klein?

 

Gute Wünsche, gute Worte, wollen dir Begleiter sein.
Doch die besten Wünsche münden alle in den einen ein:

 

Gedanken zum Sonntag

Nicht alles, was mal war, ist auch gut gewesen. Aber erstaunlicher Weise verklärt sich die Vergangenheit oft in der Erinnerung. Wehmütig sehnen sich manche zurück in die „gute, alte Zeit“, sehen die Gegenwart kritisch und blicken voller Sorge in die Zukunft. Dieses Phänomen gab es schon immer, zu jeder Zeit – und allein diese Feststellung ist ein Beleg dafür, dass es dabei nicht unbedingt um Fakten geht, sondern vielmehr um ein Lebensgefühl.

Aber im Moment merke ich, dass mir solche Gedanken auch kommen. In meinem Kopf gibt es eine Zeit vor Corona und die Vision einer Zeit nach Corona - und halt das Jetzt, das Mittendrin. Dass man sich eine Zeit lang einschränken muss, ist für viele schon eine Zumutung. Was mir persönlich aber sehr viel mehr Gedanken macht, ist die Frage, ob wir überhaupt jemals wieder zu der Sorglosigkeit zurückfinden können, die bislang unseren Umgang miteinander geprägt hat. Plötzlich ist es ein Risiko, Freunde herzlich in den Arm zu nehmen oder ihnen auch nur die Hand zu reichen. Menschen, die mit Mundschutz herumlaufen, waren in unserer Gesellschaft bisher auch die Ausnahme. Wenn man welche sah, kamen sie in der Regel aus asiatischen Ländern. Dort haben die Menschen schon mehr Erfahrung mit hochansteckenden Infektionskrankheiten sammeln müssen, so dass die Vorsicht quasi zum Normalzustand geworden ist. Ob das bei uns auch so kommen wird? Vielleicht. Niemand kann uns sagen, wie sich alles entwickeln wird, und das ist beunruhigend. Aber dass es nicht mehr so sein wird wie vorher, da sind sich alle einig. Nach Corona wird eine neue Zeit anbrechen.

Wird die neue Zeit mir passen? Diese Frage stellt sich im Leben immer wieder, mit jeder Umbruchsituation neu. Das fängt an, wenn wir die Sicherheit des Mutterleibes verlassen und uns als Neugeborenes in einer fremden, lauten Welt zurechtfinden müssen. Und danach zieht es sich durchs Leben wie ein roter Faden: Kindergarten, Schulbeginn, Lehre oder Studium, Partnerwahl (einmal oder öfter), Vater oder Mutter werden, Rente, der Verlust des Partners, der Partnerin – und alle anderen kleinen oder großen Umbrüchen dazwischen. Eigentlich müssten wir Menschen geübt darin sein, uns immer wieder auf Neues einzulassen – und trotzdem fällt es uns oft schwer. Ja, vielleicht ist es heute sogar noch etwas schwieriger als früher, weil es grundsätzlich so wenig Beständiges gibt. Das Tempo unseres Lebens ist schneller geworden und fordert ein hohes Maß an Flexibilität. So haben tragfähige Beziehungen und ein stabiles soziales Netz heute Seltenheitswert.

Auch in dem Bibelwort für die vor uns liegende Woche geht es um Vergangenes und neu Werdendes: Wer aber in Christus ist, ist eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen. Öffne die Augen und schau! Alles ist neu geworden. (2. Korinther 5,17 in einer Übersetzung von Jörg Zink)

Altes vergeht und Neues entsteht – das ist das Leben. Wir können nichts aufhalten, können keine Umstände konservieren für die Ewigkeit, auch wenn wir uns das in guten Zeiten wünschen. Albert Einstein hat angeblich mal gesagt: Der sicherste Ort für ein Schiff ist der Hafen. Aber dafür sind Schiffe nicht gemacht. So ist das – und auch wir Menschen sind nicht für den Stillstand gemacht. Wir sind für das Leben gemacht, und Leben, das ist Veränderung - vom ersten bis zum letzten Atemzug. Aber trotzdem gibt es einen Ort, an dem wir Beständigkeit finden, an dem wir zur Ruhe kommen können im Strom der Zeit: In Christus. In ihm und mit ihm sind wir neu geworden. In ihm und mit ihm haben wir so etwas wie ein zweites Zuhause geschenkt bekommen. Eine innere Heimat, die beständig ist und uns Halt geben kann, wenn um uns herum das Leben tobt. Weil ich mich in Christus geborgen weiß, kann ich meine Augen öffnen und hinschauen auf das, was vergangen ist - auf das, was ist – und auf das, was vielleicht einmal sein wird. All` das ist mein Leben, und all` das ist geborgen in Gott. Jeder erlebte Augenblick, der mir so kostbar ist, hat einen Platz in Gottes Erinnern – das gibt meinem Herzen Frieden und hilft mir beim Loslassen. In Christus werde ich frei für die neue Zeit, und mit ihm kann ich ihr getrost entgegen gehen. Amen

 

Fürbitte

Gott, wir bitten dich für alle Menschen, die neue Wege suchen für unser Zusammenleben

in Staat, Kirche und Gesellschaft in dieser Corona – Zeit und danach: Erfülle sie mit deinem

guten Geist, damit sie kreative, lebensbejahende Lösungen finden.

Wir bitten dich für alle Menschen, die Angst haben vor Veränderungen

und die mit Sorge in die Zukunft blicken: Erfülle sie mit deinem guten Geist,

damit sie neu Vertrauen finden können in dich und in das Leben.

Wir bitten dich für alle Menschen, denen ein Neuanfang vorenthalten wird, die in Flüchtlingscamps festsitzen und von schlimmen Bildern aus der Vergangenheit verfolgt werden:

Lass uns diese Menschen nicht vergessen, jetzt, wo wir so sehr mit uns selbst beschäftigt sind. Erfülle uns mit deinem Geist, damit wir mit unseren Händen deiner Liebe eine Gestalt geben.

Gott, sei mit deinem Segen bei den Menschen, an die wir heute besonders denken: …

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

 

 Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir – und mit dir seiner ganzen Welt Frieden. Amen

 

 

Wohnzimmerandacht zu Miserikordias Domini – 26. April 2020

Wer mag, zünde sich eine Kerze an, als Zeichen:

Jesus Christus, das Licht der Welt, ist bei uns – auch wenn die Zeiten dunkel sind.

Wir feiern Andacht Sonntag Miserikordias Domini – jeder für sich, aber in Gedanken verbunden.

 

Unsere Kirchenglocken läuten, um uns zu erinnern: Auch wenn wir nicht zusammen kommen können, ist Christus mitten unter uns, wenn wir zu ihm beten:

Gott, die Welt, die du uns geschenkt hast, ist oft nicht leicht zu durchschauen.

Es ist eine große Herausforderung, den richtigen Weg im Leben zu finden,

die richtigen Entscheidungen zu treffen und den Mut nicht zu verlieren, wenn der Weg steinig wird.

Gott, schenke mir das Vertrauen, dass du wie ein guter Hirte für mich bist.

Dass du mir nachgehst, wenn ich mich zu verlieren drohe.

Dass du mir neuen Schwung gibst, wenn meine Hoffnung mich verlässt.

Dass du einen Weg findest für mich, wenn ich nicht weiter weiß. Amen

 

Lied (im Herzen zu singen): Von guten Mächten – Dietrich Bonhoeffer

Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.

 

Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.

 

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.

 

Doch willst du uns noch einmal Freude schenke an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken, und dann gehört dir unser Leben ganz.

 

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

 

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang.

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

Gedanken zum Sonntag

Ich habe Urlaub im Moment, und einen Teil meiner Zeit verbringe ich mit langen Radtouren, zu denen ein Freund mich abholt. Weil er etwas langsamer unterwegs ist als ich, habe ich manchmal die Gelegenheit, einen Moment irgendwo zu stehen und in Ruhe zu schauen. Vor einigen Tagen gab es wieder so einen Augenblick geschenkter Zeit. Nach einem langen, recht steilen Anstieg stand ich auf einer Bergkuppe und neben mir graste auf einem eingezäunten Stück Feld eine Schafherde – ein Anblick, der immer wieder aufs Neue ein Gefühl von Frieden in mir weckt.

Ein wenig wehmütig wurde mir aber auch, als ich die Tiere so dicht an dicht beieinander stehen sah. So eine Schafherde erinnert mich unwillkürlich an das Gleichnis von den 99 Schafen und dem einen, das irgendwo verloren gegangen ist. Nur weil die 99 sich gegenseitig Schutz geben, kann der Hirte loslaufen, um das eine, das Verlorene, zu suchen und zu retten.

 

In dieser Corona-Zeit, in der wir uns nicht zu Gottesdiensten in unseren Kirchen versammeln können, scheint es fast so, als gäbe es nur noch versprengte Schafe und gar keine Herde mehr, und das ist eine Situation, die für uns alle neu ist. Es ist ja nicht so, dass die Kirchen sonst immer voll gewesen wären zur Gottesdienstzeit – aber es gab immerhin die Möglichkeit, die Gemeinschaft anderer Christen zu suchen, gemeinsam zu beten, zu singen und sich den Segen zusprechen zu lassen. Gerade das ist ja etwas, wofür es ein Gegenüber braucht. Kirche lebt von der Gemeinschaft, so war es immer, über die Jahrhunderte hinweg. Zu manchen Zeiten haben Menschen Verfolgung und sogar den Tod riskiert, weil sie den Versammlungsverboten trotzten. Wie kann Kirche noch Kirche sein, wie können wir einander noch Halt geben, wenn es -wie jetzt- wirklich gute Gründe gibt, sich nicht zu treffen und gemeinsam Gottesdienst zu feiern?

 

Ich denke in diesen Tagen oft an den Theologen Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April vor 75 Jahren hingerichtet wurde. Seine Isolation in der Gefängniszelle der Gestapo war deutlich unkomfortabler als unsere Selbstisolation heute. Und trotzdem hat er sich nicht allein gefühlt. Seiner Verlobten Maria von Wedemeyer beschreibt er, was er in seiner hoffnungslosen Situation alles an guten Mächten spüren kann: „Du, die Eltern, Ihr alle, die Freunde und Schüler im Feld, Ihr seid mir immer ganz gegenwärtig. Eure Gebete und guten Gedanken, Bibelworte, längst vergangene Gespräche, Musikstücke, Bücher bekommen Leben und Wirklichkeit wie nie zuvor. Es ist ein großes unsichtbares Reich, in dem man lebt und an dessen Realität man keinen Zweifel hat. Wenn es im alten Kinderlied von den Engeln heißt: „zweie die mich decken, zweie, die mich wecken“ so ist diese Bewahrung am Abend und am Morgen durch gute unsichtbare Mächte etwas, was wir Erwachsenen heute nicht weniger brauchen als die Kinder.“ Die guten Mächte, die ihm in seiner Einsamkeit Halt geben – das sind die Menschen, die an ihn denken und die seinem Herzen nahe sind. Er findet sie aber auch in vielen kleinen Dingen des Alltags, die ihm Freude, Kraft und Hoffnung schenken, und er entdeckt sie im Schatz seiner Erinnerungen.

 

Ich habe diese Worte Bonhoeffers schon sehr oft gelesen, gesprochen und in meinem Herzen bewegt – und jedes Mal wieder spüre ich die Kraft, die von ihnen ausgeht. Die Kraft eines Glaubens, der sich nicht von den äußeren Umständen brechen lässt. Nach außen hin mögen wir sein wie versprengte Schafe – aber nach innen hin müssen wir es nicht sein. Gottes gute Mächte sind um uns – nach wie vor. Und so können wir uns auch weiter getragen fühlen von der Gemeinschaft der Glaubenden und in der Gemeinschaft mit Gott. Er ist unser Hirte und sorgt auch in diesen Tagen dafür, dass keiner, keine von uns verloren geht. Amen

 

Fürbitte

Gott, du bist unser guter Hirte und wirst uns auch durch diese beängstigend andere Zeit führen.

Gib du uns das, was wir zum Leben brauchen:

Vertrauen und Zuversicht. Mut und gute Ideen. Liebe Menschen und gute Worte.

Suche du die Menschen, die sich verloren fühlen. Schenke ihnen Nähe und Liebe.

Sei bei den Menschen, die sich um Verlorene bemühen. Gib Ihnen Kraft und Ausdauer.

Gib auch die nicht auf, die glauben, sie müssten nicht gefunden werden – denn manche von Ihnen haben deine Liebe und unsere unaufdringliche Begleitung besonders nötig.

Öffne ihre Herzen einen Spalt breit, damit dein Licht auch ihr Leben berühren kann.

Gott, sei mit deinem Segen bei den Menschen, an die wir heute besonders denken: …

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

 

Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir – und mit dir seiner ganzen Welt Frieden. Amen

 

 

 

 

Wohnzimmerandacht zum Karfreitag 10. April 2020

- Pastorin i. R. Griet Stallmann-Molkewehrum -

 

Wer mag, zünde sich eine Kerze an, als Zeichen:

Jesus Christus, das Licht der Welt, ist bei uns – auch wenn die Zeiten dunkel sind.

Wir feiern Andacht am Karfreitag – jeder für sich, aber in Gedanken verbunden.

Unsere Kirchenglocken läuten, um uns zu erinnern: Auch wenn wir nicht zusammen kommen können, ist Christus mitten unter uns, wenn wir zu ihm beten:

Mein Gott, ich danke dir,
dass mein Gebet schwach und hilflos sein darf, verzagt und sehr leise.
Dennoch dringt es dir zu Ohren und bewegt dein Herz,
weil du selber es zu dir emporhebst wie ein kleines schutzloses Kind,

dem du väterliche Umarmung schenkst und mütterliche Tröstung. Amen.

 

Lied (im Herzen zu singen): EG Nr. 97
Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,
ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.
Kyrie eleison, sieh wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt
Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt.
Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht.
Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht.
Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

Gedanken zum Tag

Karfreitag. Dieser Tag hat die Schwere der ganzen Erdennot in sich.
Erinnerung: In meiner Kinderbibel gab es schöne und schlimme Bilder. Schön war das Bild von König David mit seiner Harfe. Schön war das Bild von der Krippe. Schlimm war das Bild von Jesus am Kreuz. Mir ist noch nahe, wie ich als Kind am Karfreitag dies Bild mit Trauer angesehen habe. Ich wollte bei ihm sein, der da litt und der doch so vielen Menschen Gutes getan hatte. Warum gibt es so etwas Schlimmes?

Jahre später habe ich mich als Pastorin an den Predigten zu Karfreitag abgearbeitet. Immer wieder mit dem Gefühl: du stehst vor einem Geheimnis, dessen Sinn sich entzieht. Warum gibt es so etwas Schlimmes? In der Kirche in Barnten haben Kinder erschrocken auf das Kreuz gezeigt: wer ist das da? Ja, warum hängt das Kreuz in der sonst so schön gestalteten Kirche? Und in Rössing habe ich öfter gehört: wie gut, dass das Mosaik - Kreuz auf dem Altar nicht den leidenden, sondern den segnenden Christus zeigt. Mit ausgebreiteten Armen. Tröstend.

Karfreitag 2020. Wir stehen mitten drin in Unsicherheit, Bedrohung und Sorge.

Es ist Ausnahmezeit. Und es ist einsame Zeit, weil man nicht zusammen singen und beten, lachen und weinen, Brot und Wein teilen und einander umarmen kann.

Das Kreuz ist in der Welt. Und es steht in der Mitte der Gemeinde. Es hält uns zusammen. Es macht uns ratlos und traurig. Seht, was dieser Mensch erträgt. Wozu das Ganze? Und wo bin ich selbst dabei? Diese Fragen verbinden uns.

Die Bibel sagt, dass es Gottes Sohn, ja Gott selbst ist, der da stirbt. Verspottet. Einsam. Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Er ruft wie wir. Seht, welch ein Mensch.

Es gibt keine Erklärung für das Kreuz, keine Einordnung in Theorien und Theologien.
Man kann nur bei sich sein und bei dem, der da zu sehen ist.

Wie ein Patient, den ich im Bernward-Krankenhaus besuchte. Er sah das Kreuz an der Wand gegenüber seinem Bett und sagte: „Der weiß, was ich gerade mitmache.“

Mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ Alle Fragen nach dem Sinn des Leidens beginnen mit „Warum“? - und eigentlich kann man auf diese Fragen keine wirkliche Antwort finden. Vielleicht ist dieses „Mein Gott, warum hast du mich verlassen“ - ein Anstoß an uns, Gott auch den Schrei unserer Ohnmacht und Ratlosigkeit entgegenzustellen: als Schrei nach Rettung und Trost. Nach Leben und Gemeinschaft.

Mich hat tief berührt, wie Papst Franziskus letzte Woche einsam im Regen auf dem menschenleeren Petersplatz in Rom der Welt den Segen Urbi et Orbi, der Stadt Rom und dem Erdkreis, zusprach. Mit dem Zeichen des Kreuzes endete der Segen.
Gott, erbarme dich deiner Schöpfung und deiner Menschen und aller Kreatur.

Es ist wohl so: Nur im Annehmen des Kreuzes, im Geschehenlassen für diese Welt, in der unendlich viel geliebt und geholfen, aber auch so viel zerstört und gelitten wird, öffnet sich ein Stück der Himmel. Auch für mich, auch für Dich. Christus hat die Finsternis durchlitten. Und hat sie unter seine Füße getan. Sie ist nicht ohne ihn. Er ist da. Er ist nah. Amen.

 

In der Stille sage ich dir, Gott, was mich bewegt. Und nenne die Namen derer, um die ich mich sorge. Und lege sie dir ans Herz und auch mich selbst und die ganze arme Welt dazu. Erbarme dich.

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

 

Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden. Amen

 

Mit herzlichen Grüßen aus Hildesheim : Ihre ehem. Pastorin Griet Stallmann-Molkewehrum 

 

Wohnzimmerandacht zum Palmsonntag, dem 5. April

 

Wer mag, zünde sich eine Kerze an, als Zeichen:

Jesus Christus, das Licht der Welt, ist bei uns – auch wenn die Zeiten dunkel sind.

 

Wir feiern Andacht am Palmsonntag – jeder für sich, aber in Gedanken verbunden.

 

Unsere Kirchenglocken läuten, um uns zu erinnern: Auch wenn wir nicht zusammen kommen können, ist Christus mitten unter uns, wenn wir zu ihm beten:

 

Gott, wenn mein Herz schwer wird vor Einsamkeit,

dann lass mich deine tröstende Gegenwart fühlen.

Wenn meine Hoffnung sinkt mit der Sonne am Abend,

dann wecke in mir die Gewissheit, dass ein neuer Morgen kommen wird.

Wenn ich nichts mit mir anzufangen weiß und die Stunden des Tages lang werden,

dann gib meinen Händen eine Aufgabe, meinem Herzen Frieden

und meiner Seele Zuversicht. Amen

 

 

Lied (im Herzen zu singen):Du bist ein Gott, der mich anschaut – Hagars Lied

Refrain: Du bist ein Gott, der mich anschaut. Du bist die Liebe, die Würde gibt.

Du bist ein Gott, der mich achtet. Du bist die Mutter, die liebt, du bist die Mutter, die liebt.

 

Dein Engel ruft mich da, wo ich bin: - Wo kommst du her und wo willst du hin? –

Geflohen aus Not in die Einsamkeit, durchkreuzt sein Wort meine Wüstenzeit.

 

Zärtlicher Klang: - Du bist nicht allein! Hoffnung keimt auf und Leben wird sein.

Gott hört - so beginnt meine Zuversicht. Die Sorge bleibt, doch bedroht mich nicht.

 

Schauender Gott, wo findest du mich? Hörender Gott, wie höre ich dich?

Durch all meine Fragen gehst du mir nach und hältst behutsam die Sehnsucht wach.

Hörfassung (Rechtsklick: 'neuer Tab')

 http://ckloehn.de/kirche/20Predigt-Ladwig-5-4-20.mp3 

Gedanken zum Tag

Kennen Sie Hagar? Wahrscheinlich nicht. Sie spielt nur eine untergeordnete Rolle in der Geschichte des Volkes Israel im Alten Testament, eine Nebenrolle in einer sehr pikanten, allzu menschlichen Geschichte: Für das zu diesem Zeitpunkt noch kinderlose Ehepaar Abraham und Sarah soll sie ein Kind auf die Welt bringen. Aber so ganz ohne Eifersüchteleien läuft das nicht ab, und weil Sarah ihr das Leben schwer macht, flieht Hagar mit ihrem ungeborenen Sohn in die Wüste. Sie hat allen Lebensmut verloren und der Tod kommt ihr ganz nahe. Aber genau dort, in der Wüste, in der endlosen Einsamkeit, begegnet ihr ein Engel – und weist ihr den Weg zurück ins Leben (1. Mose 16).

 

Wüstenzeiten – es gibt sie auch für uns, für jeden persönlich, auf einzelnen Abschnitten des Lebensweges, und im Moment für uns alle gemeinsam, irgendwie. Unser vertrauter Lebensrhythmus ist unterbrochen. Dinge, die unserem Alltag, unserem Leben bislang Struktur gegeben haben, dürfen auf einmal nicht mehr sein. Begegnungen, die uns wichtig waren, sind auf ein Minimum beschränkt – und auch Berührungen. Enkelkinder dürfen nicht mehr der Oma in die geöffneten Arme rennen und die erwachsenen Kinder winken den alten Eltern nur noch aus sicherem Abstand zu, weil sie sie nicht gefährden wollen. Wie lange das noch geht – keiner weiß es so genau. Wie eine endlose Wüste streckt sich die Ungewissheit vor uns aus.

 

Was mir gerade am Meisten fehlt, ist tatsächlich das: einen anderen Menschen in den Arm zu nehmen. Zu spüren: da ist jemand, mit dem ich mich verbunden fühle in diesem Augenblick. Ja, und auch in der Umarmung irgendwie mich selbst zu spüren: dass ich da bin. Dass es mich gibt. Dass ich lebe. Das ist schwer, wenn man kein Gegenüber hat.

 

Ich glaube, wir alle brauchen das: wahrgenommen zu werden. Auch dann, wenn wir keine Hauptrolle spielen. Auf einmal kann ich es viel besser nachvollziehen, wie es denen gehen muss, die immer isoliert sind, wenn auch auf eine andere Art: die Obdachlosen zum Beispiel, die inmitten von Menschenmassen unbeachtet auf dem Boden kauern. Wer bin ich noch, wenn mich niemand ansieht?

 

Hagar macht in ihrer Wüstenzeit eine Gotteserfahrung. In der Einsamkeit, ganz auf sich selbst zurückgeworfen, kann sie auf einmal spüren, dass Gott sich für sie interessiert. Dass er Anteil nimmt an ihrem Schicksal. Dass es ihm nicht gleichgültig ist, was aus ihr und ihrem Kind wird. Sie erkennt plötzlich, dass sie einen Wert für ihn hat – und beginnt deshalb, ihr Leben auch wieder zu wertschätzen.

 

Unser Gott ist ein Gott, der uns anschaut. Dem wir nicht egal sind, völlig unabhängig davon, welchen Stellenwert uns andere Menschen zusprechen. Er ist ein Gott, der unsere Wüstenzeiten teilt – und uns Wege zeigt, die aus der inneren Einsamkeit hinausführen, auch wenn die äußere Isolation vorerst weiter bestehen bleiben muss.

 

Ich möchte lernen, diesem Gott wieder mehr Raum zu geben in meinem Leben; in der Zeit, die ich nun „über“ habe. Ihn als mein Gegenüber zu sehen, in dessen Augen mein Leben Kontur gewinnt. Und ich wünsche mir, dass mir dadurch selbst wieder bewusster wird, wer ich eigentlich bin – ohne das Störfeuer der vielen Bilder, die mir andere von mir selbst widerspiegeln. Vielleicht gelingt es mir so, aus dieser Zeit das Beste zu machen – und die Zuversicht nicht zu verlieren. Denn die Sehnsucht bleibt – nach einem Miteinander, das frei ist von der Angst vor Berührung. Amen

 

Fürbitte

Gott, wir bitten dich für die Menschen, die sich einsam fühlen in der Isolation daheim:

dass sie die Lebensfreude nicht verlieren und jeden Tag etwas finden, was ihnen Freude macht.

Wir bitten für die Menschen, deren Existenz in dieser Zeit bedroht ist und die sich vom Staat allein gelassen fühlen: dass sie die Hoffnung nicht verlieren und ihnen schnell geholfen wird. Dass sie Solidarität erfahren, auch nach der Krise.

Wir bitten dich für die Krankenschwestern, Ärzte und Pflegekräfte, die sich im Kampf gegen die Pandemie oft fühlen wie auf einem verlorenen Posten: dass sie behütet und gesund bleiben. Dass ihnen das zur Verfügung gestellt wird, was sie brauchen, um ihre Arbeit gut machen zu können. Dass sie anerkannt werden in dem, was sie jeden Tag leisten.

Gott, wir bitten dich auch für uns: Schenke uns Geduld und Gelassenheit. Hilf uns, dass wir unseren Teil dazu beitragen, um die Pandemie auszubremsen. Fang uns auf in unserer Sorge und lass auch uns ein Wort hören, das uns Zuversicht schenkt und uns neu ins Leben ruft.

Gott, dir legen wir auch die Menschen ans Herz, die uns lieb und teuer sind: ….

 

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

 

Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir – und mit dir seiner ganzen Welt Frieden. Amen